Verladephobie - Wie ein Trauma geheilt wurde

Liebe Frau Zeller,

auf diesem Wege möchte ich Ihnen noch einmal ausdrücklich für Ihre großartige Arbeit danken, die Sie an meiner Araber-Berber Stute und an mir vollbracht haben.

Es wäre schön, wenn viele Pferdebesitzer und erst recht solche von Pferden mit dem einen oder anderen Problem nicht nur davon erfahren, sondern zum eigenen und zum Wohl ihrer Pferde Ihre Hilfen in Anspruch nähmen.

Damit der geneigte Leser nachempfinden kann, warum und wofür ich so dankbar bin, hier kurz die Geschichte:

Meine Stute Good Girl – seit 2 Jahren in meinem Besitz und importiert aus Marokko – war von Beginn an sehr schwierig zu verladen und klebte darüber hinaus am Stall. Für das Verladen brauchte man Stunden und alleine vom Stall weg ging gar nichts. Bei einem Verladeversuch im letzten Jahr verletzte sie sich schwer. Gutmeinende Helfer kamen mit Longen und kräftigen Armen, um Good Girl, die bereits mit den Vorderbeinen im Hänger stand, das letzte Stück hinein zu schieben. Der Hänger hatte keine Rampe. Good Girl widersetzte sich dem von hinten kommenden Druck, rutschte auf dem Asphalt aus und geriet mit dem rechten Hinterbein unter den Anhänger. Die Folge: Röhrbein über die ganze Länge und tief aufgeschnitten, Sehne angerissen. Die Heilung dauerte über 6 Monate, aber Gott sei Dank ist keine Schädigung zurückgeblieben.

Ich hörte von Frau Zeller, schilderte ihr den Fall und sagte ihr, ich sei sicher, dass Good Girl in keinen Hänger mehr gehen würde. Fr. Zeller meinte, dass aufgrund der Geschichte es sicher schwierig werden könne, aber es werde gelingen.

Sie hat Recht behalten! Die erste Trainingseinheit von ca. 45 Min. endete damit, dass Good Girl mit allen vier Füssen ruhig auf der Rampe stand. Fr. Zeller gab ihr eine Denkpause. Am Nachmittag folgte die zweite Einheit und nach 15 Minuten lief Good Girl in den Hänger hinein.

In weiteren Trainings ging es darum, dass Good Girl ruhig auf dem Hänger stehen bleibt und man alle Zeit der Welt hat die Stange einzuhängen und die Rampe zu schließen. Good Girl ging nämlich willig hinauf, wollte aber gleich wieder hinaus. Vor dem Hänger dann schüttelte sie das ehemals verletzte Bein nach dem Motto „das muss doch jetzt weh tun!“ Außerdem blickte sie sich immer nach hinten um und prüfte, ob nicht doch von dort Druck ausgeübt wird.

Alles wurde in kleinen Schritten und Trainings geübt, bis Good Girl ruhig auf dem Hänger stand und wir die Rampe schließen konnten. Es folgten erste kleine Übungsfahrten von wenigen Minuten, die damit endeten, dass Good Girl vor Ihrer Box abgeliefert wurde und lernte, dass sie immer wieder nach Hause kommt.

Auch ich als Besitzer wurde angeleitet und eingeweiht in die Psyche von Good Girl. Dabei musste ich lernen, dass ich selbst innerlich viel zu angespannt und ungeduldig war. Hatte ich das Gefühl es seien schon eine halbe Stunde oder mehr beim Training vergangen, waren es gerade mal 5 oder 10 Minuten.

Also Good Girl ließ sich gerne verladen und fahren – von Frau Zeller! Aber auch von mir?

Letzte Woche war es soweit, ich sollte Good Girl verladen, mit ihr zu einem anderen Stall zum Springtraining fahren – Good Girl ist ein überragendes Springpferd – und wieder zurück.

Meine innerliche Aufregung war zwar riesengroß und mein Herz klopfte wie wild, als ich sie zum Hänger führte, aber ich war mir irgendwie doch sicher, dass sie einsteigen würde. Ich rief mir alles, was Fr. Zeller mich gelehrt hatte in Erinnerung, vor allem den bewussten und vorsichtigen Umgang mit dem Dually Halfter.

Natürlich merkte Good Girl meine Aufregung und so weigerte sie sich zunächst auch auf den Hänger zu gehen. Zügig setzte sie die Vorderhufe hinauf, streckte auch ihren Kopf weit in den Hänger hinein, aber folgen wollte sie mir nicht. Ich sagte immer nur zu mir, „du musst ruhig und entschlossen bleiben, dann wird es gehen“.

Ich ließ Good Girl oft rückwärts gehen und wieder vorwärts an die Rampe, versuchte aber nicht sie hinaufzuführen. Nur zwei Schritte auf die Rampe und wieder hinunter, eine Volte und wieder vorwärts. Mit der Zeit merkte ich wie Good Girl sich entspannte und von selbst immer weiter auf die Rampe hinauf ging, bis sie schließlich mit allen Vieren auf der Rampe stand.

Dort senkte sie den Kopf und legte ihn an meine Schulter. Ich lobte sie durch Streicheln zwischen den Augen und am Hals und ging in den Hänger hinein. Sie blickte mir nach. Ich drehte mich um, sah ihr nicht in die Augen sondern auf die Brustpartie und übte einige Male ganz leichten Druck auf das Dually aus. Beim vierten oder fünften Mal stapfte Good Girl in den Hänger und schnaubte kräftig ab. Sie stand ganz ruhig und blickte durch die Fenster nach draußen.  Die Stange wurde eingehängt, dass Dually Halfter gegen ein ganz normales Halfter getauscht, Good Girl angebunden, die Rampe geschlossen und wir fuhren zum Springtraining.

Auf dem fremden Gelände angekommen, war Good Girl immer noch ganz ruhig und gelassen. Das Training verlief überaus positiv, denn so rittig, so engagiert und überragend springend hatte ich sie noch nicht gesehen. Good Girl wurde geduldig und ausgiebig trocken geritten, nochmals geputzt und getränkt und dann ging es wieder Richtung Anhänger.

Wie lange würde es nun dauern?

2 Minuten !!!!! Dann war sie eingestiegen!!!

Als ich sie an den Hänger führte, zögerte sie einmal kurz und machte Anstalten rückwärts zu gehen. Über einen leichten Zug am Dually kam sie aber sofort zu mir, wofür ich sie ausgiebig lobte. Sie blickte sich mehrmals rechts und links nach hinten um, schüttelte wieder ihr Bein und machte sofort 4 Schritte hinauf auf die Rampe. Dort legte sie eine Pause ein, überlegte und ging wieder rückwärts hinaus. Ich ließ das zu, vor der Rampe aber hielt ich sie über einen leichten Zug am Dually an. Dann ging ich mit ihr eine kleine Volte, um sie wieder gerade vor dem Hänger auszurichten. Ein leichter Zug und sie ging mit vier Füßen auf die Rampe. Dort erhielt sie wieder kräftiges Lob und ich ging weiter in den Anhänger hinein. Ganz leicht zupfte ich am Dually und sie schritt ruhig und gemächlich in den Anhänger – 2 Minuten !!!

Dort fraß sie genüsslich ihr Heu und Ihr Kraftfutter und wir warteten noch 15 Minuten bis sie sich etwas gesättigt hatte, dann fuhren wir nach Hause.

Vielen herzlichen Dank Frau Zeller für alles, was Sie meinem Pferd und mir beigebracht haben!

Am nächsten Tag wollte ich versuchen mit Good Girl alleine ins Gelände zu gehen. Ich hatte die Hoffnung, dass die positiven Erlebnisse bei Pferd und Reiter es nun vielleicht möglich machen würden, dass sie mit mir alleine vom Hof weggeht.

Jawoll ! ! ! Good Girl ging mutigen und forschen Schrittes vom Hof in den Wald. Wieherte einmal ihren Kollegen zu, zögerte ein wenig, aber auf meine ruhige und sanfte, gleichzeitig bestimmte Aufmunterung mit ein ganz wenig Bein hin, schritt sie weiter.

Sie ging mit mir über eine Brücke, die wir vorher nie im Stande waren zu überwinden und bisher immer umkehren mussten.

Kurz und sehr gut: wir hatten einen herrlichen Ausritt in Schritt, Trab und Galopp, Sprüngen über Naturhindernisse, spielen im Bach, lässigem Passieren von freilaufenden Hunden, alles Prima!

Wenn es noch an etwas gefehlt hätte, um zu erkennen, dass nicht nur das Pferd – nein, das in erster Linie der Mensch die Sprache des Pferdes lernen muss – dann habe ich jetzt diese unschätzbare Erfahrung gemacht. Ich bin mir bewusst, dass ich dabei ganz am Anfang stehe. Aber, ein erster Schritt ist Dank Frau Zeller gemacht und jeder Euro sehr gut investiert!

Meine „Good Girl“ und ich können Frau Zeller nur bestens empfehlen.

J. Reberg, Köln 11.04.2005

0172-2933007

 

Einen Monat später ...

Dass das Trauma wirklich besiegt ist, zeigte mir das Pferd vor 14 Tagen, als es zum ersten Turnier der grünen Saison gehen sollte.

Getreu dem bei Fr. Zeller gelernten, planten wir die Abfahrt so, dass in jedem Falle ausreichend Zeit fürs Verladen vorhanden war.

Wir stellten den Anhänger an eine – wie wir dachten - ruhige Stelle auf dem Hofgelände. Aber da am gleichen Tag auf unserer Anlage ein Voltigier-Turnier stattfand, stellte sich heraus, dass wir quasi genau am Haupteingang für Teilnehmer und Pferde platziert waren. Good Girl konnte natürlich erst nicht verstehen, warum sie in den Anhänger steigen sollte, wo doch alle anderen Pferde daran vorbei und zurück in Richtung Stall gingen. Ich war sehr aufgeregt und war eigentlich erst nur damit beschäftigt meine Nerven in den Griff zu bekommen. Dabei half mir die innere Sicherheit und Überzeugung, dass Good Girl bestimmt einsteigen würde, wenn ich nur ruhig genug blieb. Nach etwa 15 Minuten ging mein Puls endlich nach unten und sofort reagierte Good Girl mit Senken Ihres Kopfes und vier Beinen auf der Rampe. Dort „begrüßte“ ich sie sehr freundlich und überschwänglich, ging zwei Schritte zurück in den Hänger und lud sie über das Dually ein mir zu folgen. Good Girl blickte sich kurz um, wieder zu mir, wurde gelobt und stapfte hinauf.

Ich hatte das Gefühl, es hätte 45 Minuten oder länger gedauert – aber meine Reiterin sagte es seien nicht mal 20 Minuten gewesen.

So konnten wir also in aller Ruhe zum Turnier fahren! Ein Glücksgefühl – und Good Girl stand seelenruhig während der Fahrt.

Beim Ausladen, beim Satteln, beim Abreiten – Good Girl war total ruhig und souverän. Noch mehr im Parcours (siehe Foto), wo sie fehlerlos ging und mit 7,2 den dritten Platz belegte.

Zurück nach Hause dauerte es nicht mal eine Minute und Good Girl stapfte gemütlich und zufrieden in den Hänger!!

Vielen, Vielen Dank Fr. Zeller – wir können wieder auf Turnier gehen und Schleifen sammeln. Ohne Sie wäre das sicher nie mehr möglich gewesen. Nochmals Danke!“

J. Reberg

Köln, 09.05.2005