Motivationsaufbau - Hilfe! Mein Pferd will partout nicht mehr springen!

Vor 3 Monaten kam "Rodin", ein sechsjähriger, sehr gut gebauter Holsteiner Wallach zu mir.

Beim Probereiten ging es so lala und den einen Sprung der auf dem Platz stand machte er auch so lala.

Bei uns zuhause war dann alles anders. Rodin wollte nicht arbeiten, geschweige denn springen. Schon beim Aufwärmen blieb er immer wieder stehen und weigerte sich konstant auch nur einen Schritt vorwärts zu gehen. Man hätte sicher mehrere Gerten oder sonstiges auf ihm zertrümmern können, und er wäre auch nicht vorwärts gegangen.

Alle Fachleute, die ich befragte, sagten: "Der ist einfach faul, der will nicht, da kannst du machen was du willst und ein Springpferd!? Der? Das wird der nie!"

Ich wendete mich also an Fr. Zeller. Die Analyse lautete, dass Rodin überhaupt nicht motiviert ist, keinerlei Freude an der Arbeit hat. Aber warum? Ging er mal Schritt und man nahm die Zügel nur ganz leicht auf, rollte er sich sofort zusammen und setzte seine Nase an den Brustkorb. Aha, das sprach dafür, dass er viel zu früh und zu stark zurück geritten wurde, vielleicht sogar mit Schlaufzügeln und dass man ihn dann wahrscheinlich sehr getrieben und geschlagen hat.

Was war zu tun? Rodin hatte wohl gelernt, dass wenn er sich mit seinen 550 kg widersetzt, der Reitermensch tun kann was er will, aber am Ende nichts ausrichtet.

Fazit: Das Training wurde komplett umgestellt, nichts war so wie ich es kannte oder praktizierte. Jeweils nur ganz kurze Einheiten, niedrigste Anforderungen und immer dann, wenn Rodin etwas gut gemacht hatte und Kooperation zeigte wurde sofort aufgehört.

Für mich als Reiter und Besitzer eine wahnsinnig schwere Übung und einige Male musste Frau Zeller mich sehr deutlich darauf hinweisen, dass mein eigener Charakter und Leistungsgedanke Rodin immer wieder in seiner positiven Entwicklung bremste. Erst als ich wirklich auf Null stellen konnte und die Lehre "Langsam ist schnell und Schnell ist Langsam" wirklich ernst nahm, kamen wir in riesengroßen Schritten voran.  Darüber hinaus entstand zwischen dem Pferd und mir dadurch eine tiefe emotionale Verbindung, denn ich spürte plötzlich wie sehr Rodin sich anstrengte und wie seine Motivation wuchs.

Er, der anfangs noch nicht einmal über eine am Boden liegende Stange im Schritt, geschweige denn im Trab oder Galopp hinwegging, springt mittlerweile alles. Egal wie bunt oder hoch oder schmal, bekannt oder unbekannt, mit oder ohne Wasser drunter. Nur wenn ich beim Anreiten Mist baue und ihn nicht genau auf die Distanz bringe, bleibt er manchmal noch mal stehen und sagt: "He, Kollege, das ist aber noch zu schwer für mich." Dann reiten wir in aller Ruhe neu an, auf die richtige Distanz und alles ist prima!

Es ist unfassbar, gerade mal 2 Monate und ein Pferd, von dem alle sagten, der springt nie, ist fleißig und motiviert und arbeitet zusammen.

Ich gönne jedem dieses unbeschreibliche Erlebnis und die Kommentare der "Fachleute", die da sagen, dass sie sich wohl geirrt haben.

Danke Frau Zeller auch von Rodin!

HG Gräber, Moos-Bankholzen

9.September 2005